Stellungnahme zur ?Kooperation zwischen Außerschulischer Jugendbildung und Schulen?

Stellungnahme zur ?Kooperation zwischen Außerschulischer Jugendbildung und Schulen?

 

‚Außerschulische Politische Jugendbildung arbeitet werteorientiert. Sie steht für eine demokratische und gerechte Gesellschaft, für ein friedliches und soziales Zusammenleben, für Menschenrechte, Partizipation, gesellschaftliches Engagement und Solidarität. Kinder und Jugendliche brauchen Kompetenzen, die Schlüsselfunktionen für ihr persönliches Leben und für das Gelingen einer demokratischen Gesellschaft haben. Sie brauchen Kompetenzen für mehr Demokratie und mehr Partizipation. Dafür brauchen sie mehr Anregungen, als Schule zurzeit bieten kann.

In Kooperation mit außerschulischen Partnern der politischen Jugendbildung gelingt demokratisches Lernen besser. Die Partner bringen das geeignete Know-how, erweiterte pädagogische Perspektiven, Zugänge und Methoden in die Schule und schaffen mit dieser gemeinsam ein ganzheitliches Bildungsangebot’. (aus ‚Politische Jugendbildung in der Ganztagschule’ von GEMINI und bap)

 

Durch ihren partizipativen, lebensweltorientierten Bildungsansatz ist außerschulische politische Jugendbildung qualifiziert, neue Lernprozesse mit den Jugendlichen gemeinsam zu entwickeln. Sowohl auf der methodischen als auch auf der didaktischen Ebene gibt die Kooperation zwischen Jugendbildung und Schule wertvolle Impulse für die schulische Bildung.

Gleichzeitig bietet sie Jugendlichen einen geschützten Rahmen, sich vertrauensvoll und kritisch mit sich und ihrem sozialen und persönlichen Umfeld (also auch der Schule) auseinanderzusetzen. Hierzu zählen auch das Sichtbarmachen und Besprechen von sensiblen Themen wie z.B. Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung und eine Reflexion der sie bedingenden Strukturen.

 

Die unten genannten Träger der außerschulischen politischen Jugendbildung setzen auf ein Bildungskonzept, das Jugendliche sowohl auf kognitiver, als auch auf sozialer und affektiver Ebene anspricht. Wir eröffnen den Jugendlichen Lernräume, die

l        auf einer Kultur der Anerkennung und Mitbestimmung basieren,

l        prozessorientiert gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet werden,

l        Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken und damit das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit befördern.

l        Kommunikations-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit erweitern und

l        die eigene Positionierung in gesellschaftlichen Machtverhältnissen thematisieren.

 

Unsere Arbeit orientiert sich an den Grundprinzipien Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Mitbestimmung (Teilnehmendenorientierung / Beteiligung von Schülerinnen und Schülern), Selbstorganisation, geschlechtsreflexives und inklusives Arbeiten, Beurteilungsfreiheit und Prozessorientierung.

Dies stellt eine wichtige Ergänzung zum Erlernen meist vorgegebener Inhalte in der Schule dar. Davon profitieren Schüler_innen aller Schulformen und Altersklassen. Insbesondere sozial- und anderweitig benachteiligte Jugendliche fühlen sich durch den non-formalen Bildungsansatz  angesprochen, ernst genommen, wertgeschätzt und auch angeregt gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten. Die Erfahrung zeigt, dass Jugendliche, die vorher nie an Maßnahmen der außerschulischen Bildung teilgenommen haben, sich durchaus motivieren lassen an weiteren Programmen bzw. Aktivitäten teilzunehmen.

 

Außerschulische Jugendbildung hat Erfahrungen und Kompetenzen in folgenden Arbeitsschwerpunkten:

  • Demokratieerziehung – Partizipation, Mitbestimmung & Beteiligung
  • Interkulturelle Pädagogik und internationale Bildung
  • Medienpädagogik
  • Förderung von Selbstkompetenzen und sozialen Kompetenzen
  • Inklusiver Pädagogik
  • Genderpädagogik
  • Gesundheitsförderung & Erlebnispädagogik
  • Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Diskriminierung & Gewalt
  • Auseinandersetzung mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen (z. B. Rassismus, Klassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Antiziganismus, Islamophobie & Behindertenfeindlichkeit) 

 

Die Kooperation zwischen Jugendbildung und Schule kann unterschiedliche Formen beinhalten, z.B. Projekttage bzw. Projektwochen in den Schulen, mehrtägige Seminare mit Klassen bzw. Gruppen an außerschulischen Lernorten und Qualifizierung/ Fortbildungen für Schüler_innen und Pädagog_innen. Zielgruppen  sind i. d. R. Schulklassen, Jahrgangteams, Projektgruppen oder SV – Vertretungen.

Die bremische Koalitionsvereinbarung fordert in diesem Zusammenhang eine Weiterentwicklung und engere Verzahnung von Bildungsangeboten der non-formalen Bildung mit schulischer Bildung.

Die aktuell eingeführten Quotierungen für klassenbezogene Seminare seitens der Jugendbehörde sind da wenig hilfreich: zum einen stellt die Schulklasse einen „gesellschaftlichen Mikrokosmos“ dar, in dem sich Macht- und Ausgrenzungsstrukturen abbilden und von den Jugendlichen täglich erfahren bzw. reproduziert werden. Außerschulische Jugendarbeit ermöglicht, diese „nicht freiwillige Gemeinschaft“ in einem anderen Rahmen und Raum zu reflektieren und soziale Lernprozesse anzustoßen.

Darüber hinaus führt die neue Begrenzung klassenbezogener Seminare zu einem Auseinanderklaffen der ‚sozialen Schere’ zwischen denjenigen Schulen, die sich frei finanzierte Seminare ‚leisten können’ und den Schulen, die auf subventionierte Seminare angewiesen sind.

Schulen und Bildungsbehörde greifen gern auf die Angebote und Kompetenzen außerschulischer Jugendbildung zurück ohne gleichzeitig die Bedingungen für die Entstehung und Bewahrung langfristiger Kooperationen ausreichend finanziell mit abzusichern.

Die aktuelle Debatte zwischen den beiden genannten Ressorts um die Förderzuständigkeiten wird auf dem Rücken der Jugendlichen, der Akteur_innen in Schule und außerschulischer Jugendbildung ausgetragen. Die u. g. Träger bitten daher die beiden Ressorts ‚Soziales’ und ‚Bildung’ eine einvernehmliche Regelung zu treffen, die eine Förderung auch von klassenbezogenen Seminaren – ohne Quotierungen – möglich macht. Wir halten eine gemeinsame Fördervereinbarung zwischen den beiden Ressorts über die zur Verfügung stehenden Mittel zum Zweck der Durchführung von  o. g. Seminaren / Veranstaltungen für sinnvoll und erforderlich.

 

Oktober 2011

Jugendbildungsstätte LidiceHaus, DGB-Jugend, Naturfreundejugend Bremen / Buchtstraße, bdp - Mädchenkulturhaus



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