
Das LidiceHaus ist benannt nach einem kleinen Dorf in der von Nazi-Deutschland besetzten Tschechoslowakei. 1942 wurden seine BewohnerInnen Opfer eines brutalen Racheaktes der SS und der Wehrmacht. Massenmorde, Deportationen und Zerstörung lösten damals eine ungeahnte Welle der Empörung und Anteilnahme aus. Lidice gilt als ein Mahnmal faschistischer Greueltaten und zugleich als Symbol der Solidarität.
Schon wenige Wochen nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus beschloss die tschechoslowakische Regierung, ein neues Lidice aufzubauen. Viele haben zu diesem Aufbau beigetragen, vor allem Jugendliche aus der Tschechoslowakei und anderen Ländern der Welt. Eine neue Siedlung entstand und in ihr leben die Bewohner noch heute. Lidice lebt!
In dem Tal von Lidice liegt heut eine Gedenkstätte, die von einem großen Rosengarten umgeben ist, in dem Rosenstöcke aus 25 Ländern der Welt wachsen. 1955 wurde in Lidice ein „Rosengarten der Freundschaft” mit Rosen aus aller Welt angepflanzt. So wurde die Rose zum Zeichen von Lidice – ein Zeichen der Liebe, die stärker ist als die Gewalt.
Lidice ist Programm. Programm für eine politische Bildungsarbeit, die sich der Begegnung und Solidarität, der Selbstbestimmung und Gerechtigkeit verschrieben hat. Wir verstehen das LidiceHaus als einen lebendigen Ort für die Entwicklung und das Lernen von Demokratie und den Dialog mit und zwischen den Kulturen und Religionen mit seinen Chancen und Defiziten.
Lidice und seine Geschichte
Lidice war bis zum Frühjahr 1942 ein Dorf, nur 22 km von Prag entfernt, 102 Familienhäuser und 493 Einwohner, kaum über die unmittelbare Umgebung hinaus bekannt. Die Männer arbeiteten meistens in den Stahlwerken und Kohlebergwerken im 7 km entfernten Kladno.
Seit März 1939 war Tschechien, wie andere Regionen Europas durch das nationalsozialistische Deutschland besetzt, die Gebiete quasi zu Kolonien degradiert. Im Mai 1942 wurde in Prag ein Attentat auf den Reichsprotektor Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, verübt. Heydrich starb am 04. Juni 1942. Am 03. Juni entdeckte die Gestapo eine Spur – ein falsch gedeuteter Liebesbrief – die nach Lidice führte. Die Nachforschungen vor Ort ergaben keine Bestätigung des Verdachts, dass die Bewohner von Lidice an dem Attentat beteiligt gewesen wären. Dennoch sollte ein Exempel statuiert werden. Am 09. Juni, am Tag der Beisetzung Heydrichs in Berlin, wurde das Schicksal Lidices in einer Führerbesprechung besiegelt:
Betrifft: Ortschaft Liditz, Bezirk Kladno. Am 09.06.1942, um 19:45 Uhr, teilt SS-Gruppenführer K. H. Frank aus Berlin telefonisch mit, dass auf Grund eienr Führerbesprechung die Ortschaft Liditz folgendermaßen zu behandeln ist:
Böhme, Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, 12. Juni 1942

Lidice lebt!
