02.11.2020

Neuerscheinung: "Funktionalisierte Kinder. Kindeswohlgefährdung in Neonazifamilien"


Die im LidiceHaus angesiedelte Fachstelle Rechtsextremismus und Familie (RuF) ist Herausgeberin der frisch erschienenen Broschüre "Funktionalisierte Kinder. Kindeswohlgefährdung in Neonazifamilien – eine Hilfestellung für Fachkräfte in den Bereichen Recht und (Sozial-)Pädagogik."



In der Publikation wird der Frage nachgegangen, ob eine Gefährdung für das Kindeswohl vorliegt, wenn ein Kind mit Eltern aufwächst, die nach (neo-)nazistischer Ideologie leben und ihre Kinder dementsprechend erziehen. Am Beispiel völkischer Siedler*innen werden mögliche Aufgaben für juristische und (sozial-)pädagogische Fachkräfte diskutiert. Dafür werden Lebensrealitäten von Kindern in derartigen Familienzusammenhängen erläutert und Indikatoren für eine mögliche Kindeswohlgefährdung vorgestellt.

Das Verhältnis von Rechtsextremismus und Kindeswohlgefährdung ist ein kontroverses Thema, das Fachkräfte vor verschiedene Herausforderungen stellt. Es bewegt sich in einem Spannungsverhältnis, das juristisch wie auch pädagogisch nicht leicht aufzulösen ist.

Auf der juristischen Seite stehen sich grundgesetzlich verbriefte Rechte der Eltern und Kinder gegenüber: Dieses juristische Spannungsverhältnis hat in Teilen tiefgreifende Auswirkungen für Fachkräfte, die in gerichtlichen, erzieherischen und sozialarbeiterischen Kontexten mit Familien arbeiten. Es müssen Kinderrechte gegen Elternrechte diskutiert und oftmals eine Abwägung getroffen werden, an welchem Punkt die Rechte der Eltern ihre Grenzen finden.

Für den Arbeitsalltag von Fachkräften, die beispielsweise im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten, bedeutet dies, zunächst eine Einschätzung treffen zu müssen, ab wann die Ideologie der Eltern die Kinder negativ beeinflusst und welche Mittel angemessen sind, um das Kindeswohl zu schützen. Damit geht sowohl eine konstante Bewertung der familiären Situation einher als auch die Herausforderung nach einer Aufrechterhaltung der Arbeitsbeziehung zu den Eltern, welche humanistische und demokratische Grundlagen ablehnen.

Dies stellt ein eigenes Spannungsfeld dar, da die Fachkräfte einen demokratischen Auftrag im verfassungsrechtlich verankerten Ziel der Erziehung haben. Erziehung beinhaltet die Herausbildung einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit innerhalb der sozialen Gemeinschaft. Neonazistische Erziehung wird hier angesichts der ideologischen Grundlagen gezwungenermaßen kollidieren.

Aus der langjährigen Beratungspraxis der Fachstelle Rechtsextremismus und Familie
wissen wir, dass es eine Vielzahl an Fachkräften gibt, die Tag für Tag engagiert für Menschenrechte und Demokratie einstehen. Dies beinhaltet nicht zuletzt, die (Menschen)Rechte der Kinder adäquat zu schützen, die in neonazistischen Familien aufwachsen. Es beinhaltet ebenso, genau hinzusehen, sich einzumischen und die Strukturen zu verstehen, die Erziehung in neonazistischen Kontexten auszeichnet.

Mit der Broschüre „Funktionalisierte Kinder“ will die Fachstelle RuF diese Fachkräfte unterstützen: Sie informiert über rechtliche Hintergründe, gibt konkrete Tipps für den Umgang im Berufsalltag und diskutiert, wo Fragen des Kindeswohls betroffen sein können, wenn Kinder in neonazistischen Familien aufwachsen.

Sie können die Broschüre "Funktionalisierte Kinder. Kindeswohlgefährdung in Neonazifamilien – eine Hilfestellung für Fachkräfte in den Bereichen Recht und (Sozial-)Pädagogik"